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Way to Beijing: Arthur Abele

17. August 2008

Wolfgang Beck und Arthur Abele (Copyright/Foto: Iris; Bild unten: Kenny Beele)
Wolfgang Beck und Arthur Abele (Copyright/Foto: Iris; Bild unten: Kenny Beele)
Als ihm die Tante aus der Schweiz vor vier Jahren einen „Smart“ mit seinem Konterfei und der Aufschrift: „Wir unterstützen Arthur auf dem Weg nach Peking“ vor die Haustür stellte, musste Wolfgang Beck doch ein wenig schlucken. „Sicher hatte sich Arthur im Jugendbereich schon die ersten Lorbeeren verdient. Auch eine gewisse Perspektive konnte man nicht abstreiten. Aber dass er vier Jahre später die Reise nach Peking antritt, daran habe ich, ehrlich gesagt, nicht geglaubt“, sagt jener Mann, der gemeinsam mit Martin Seeger dafür sorgt, dass der Ulmer in den letzten beiden Jahren in die erweiterte Weltspitze vorstoßen konnte. Dabei schreibt Seeger laut Abele die Pläne und „kümmert sich im heimischen Hüttlingen um Lauf und Sprint.“ In Ulm übernimmt Beck die weiteren Disziplinen und betreut Arthur bei den Zehnkämpfen – so wie jetzt auch in Peking.

Im Prinzip begann für Abele alles „normal“. Zweimal in Folge hatte er die deutsche Meisterschaft im Achtkampf bei den Schülern dominiert, ließ sich durch gesundheitliche Probleme wie das Pfeiffersche Drüsenfieber nicht aus der Bahn werfen und verlebte das Olympiajahr 2004 unter anderem als  deutscher A-Jugend-Zehnkampfmeister und Siebter der Junioren-WM im italienischen Grosseto. Danach erfolgte der Wechsel von seinem Heimatverein TSV Hüttlingen zum SSV Ulm und Beck als weiteren Trainer. „Ich hatte Arthurs Entwicklung natürlich schon lange verfolgt. Ich konnte mich auf die Zusammenarbeit mit einem Athleten freuen, der über einen unbändigen Willen verfügt, hoch motiviert ist und sich auf den Punkt konzentrieren kann. Außerdem wurde schnell klar, dass er Neues sehr schnell umsetzen kann“, sagt Beck, der Mitte der 90er-Jahre auch Ex-Junioren-Weltmeister Michael Kohnle unter seinen Fittichen hatte und danach unter anderem WM- und Olympia-Starter Ralf Leberer (110 m Hürden) betreute.

In Zusammenarbeit mit Martin Seeger, der Ende der 90er-Jahre auch den Deutschen 200- und 400-m-Meister Stefan Holz betreute, stellten sich die ersten Erfolge schnell ein. Bei der Junioren-EM in Kaunas/Litauen bedeuteten 7634  Punkte Rang zwei hinter dem Weißrussen Andrej Krawtschenko. 2006 gewannen Deutschlands Zehnkämpfer beim Thorpe-Cup gegen die USA zwar nicht die Teamwertung, dafür triumphierte Abele in der Einzelwertung. Ende Mai hatte er in Bernhausen mit 8012 Punkten erstmals einen „Achttausender“ erklommen. „Zwei Wochen zuvor war er noch ziemlich skeptisch und zweifelte an sich selbst, weil er zu wenige Fortschritte sah. Ich habe mich davon kaum beeindrucken lassen, konsequent mit ihm weiter gearbeitet und schon war er in der Erfolgsspur“, blickt Beck zurück. Als Sieger der WM-Qualifikation in Ratingen 2007 schraubte Arthur Abele sein Punktekonto dann auf 8269 – nicht schlecht für einen 22-Jährigen, der im zarten Alter von elf Jahren nach einem Sturz vom Heuboden derart schlimme Verletzungen erlitt, dass in diesem Moment kaum an eine Karriere im Leistungssport zu denken war.

arthur kugel„Mit den 8372 Zählern und dem damit verbundenen Olympia-Ticket hat er dieses Jahr sein erstes ganz großes Ziel erreicht und damit nicht nur sich, sondern viele Menschen in seinem Umfeld sehr glücklich gemacht“, weiß Beck. In Hüttlingen wird während der beiden Zehnkampf-Tage in Peking beim Public-viewing einen Riesenfete abgehen und bereits schon jetzt haben die Fans seines Stammvereins 200 Karten (!) für die WM 2009 in Berlin geordert, obwohl noch gar nicht fest steht, ob ihr Arthur überhaupt dabei ist. „Er ist in seiner Heimat so etwas wie ein Volksheld und brennt natürlich darauf, seinen Leuten einen tollen Wettkampf zu liefern. Auch in Peking ist es wichtig für ihn, dass sich bestimmte Leute in seinem Umfeld bewegen. Dann fühlt er sich wohl, weil er weiß, dass stets Jemand für ihn da ist“, sagt Beck.

Damit Arthur Abele im Reich der Mitte nicht die Orientierung verliert, wird er von einem kleinen Fan-Tross bestehend aus „Onkel, einem Sponsor, eventuell meiner Freundin, zwei weiteren Bekannten und meinem Coach“ (Abele) unterstützt. „Es konnte mir natürlich nichts Besseres passieren, als dass Wolfgang Beck dabei ist. Auf seine wertvollen Tipps bin ich ja schließlich angewiesen“, sagt Abele. Beck wäre übrigens auch dann (auf eigene Kosten) nach Peking geflogen, wenn er nicht zum offiziellen Betreuerstab des Deutschen Leichtathletik-Verbandes gehört hätte.

Die Zielvorgabe des Duos ist klar abgesteckt, eine Top Ten-Platzierung erscheint nicht unrealistisch. „Wenn es bei der Konkurrenz normal läuft, kann ich in den Bereich der besten Acht vordringen“, sagt Abele, den sein Trainer trotz der Erfolge in den letzten Jahren als nicht „immer ganz pflegeleicht“ beschreibt. „Er kann schon ein ganz schöner Sturkopf sein. Da stinkt es mir manchmal schon, wenn er beim Beachvolleyball herumtobt oder einen Salto vom Dreier macht, weil ich ja immer denke, wenn er sich da irgendwo verletzt, war die Arbeit für die Katz´. Andererseits sind kleine Reibereien nichts Ungewöhnliches, wenn man Tag für Tag zusammenarbeitet. Im Prinzip kann ich mich 100 Prozent auf ihn verlassen.“

Wolfgang Beck selbst hat noch einen ganz großen Traum: „Ich bin jetzt 61. In vier Jahren bei den Spielen 2012 wäre es das absolut Höchste, wenn am Ende meiner Trainerlaufbahn Arthur auf dem Treppchen stehen würde.“ Denn in London soll Schluss sein für den Schwaben, der am 1. Mai 1980 als hauptamtlicher Trainer beim Stadtsportverband in Ulm seine Karriere begann. Doch bis dahin jagt noch ein Highlight das nächste, unmittelbar nach Peking beginnt bereits die Vorbereitung für die „Heim-WM“. „Klar zählt im Moment nur Peking, aber im Hinterkopf steht natürlich schon die Planung für Berlin. Arthur braucht immer für einen gewissen Zeitraum auch die Ruhe. Unmittelbar nach der Rückkehr aus China wird er sich erst einmal richtig erholen können. Bis auf kleinere Starts in der Halle wird er dann an keiner großen Veranstaltung wie beispielsweise der Hallen-EM teilnehmen, weil er sich bereits ganz auf die WM-Qualifikation konzentrieren wird. Er wird alles tun, um seinen nächsten großen Traum zu verwirklichen“, sagt Beck.