Behrenbruch bester der "Top-five" – aber drei Ausfälle
01. Juni 2008

Die Würfel sind noch nicht gefallen, aber die Vorgabe für die entscheidende Olympia-Qualifikation der deutschen Zehnkämpfer am 21./22. Juni in Ratingen steht: Nachdem Pascal Behrenbruch beim Mehrkampf-Meeting in Götzis als bester Deutscher mit 8242 Punkten auf Rang sechs neben der Olympia-Norm auch einen neuen "Hausrekord" verbuchte und Arthur Abele mit 8220 Zählern ebenfalls deutlich über dem Richtwert blieb, ist Michael Schrader trotz seines Fehlens in Österreich vorerst der lachende Dritte im Kampf um die Olympia-Teilnahme. Denn seine 8194 Punkte von Bernhausen konnte keiner aus dem Kreis der drei weiteren Olympia-Kandidaten erreichen, zumal Ex-Hallen-Weltmeister André Niklaus, sein zeitweiliger Trainingspartner Norman Müller als auch Studenten-Weltmeister Jacob Minah (Krampf im Oberschenkel während des 1500-Meter-Laufes) den Wettkampf erst gar nicht beendeten.
"Ich weiche nicht davon ab, dass wir in unserem Team ein Riesen-Potenzial haben. Aber dieser Wettkampf hat gezeigt, dass alles noch sehr fragil und noch nicht fest ist. Ständig kann etwas kippen, wobei das andererseits natürlich auch einen gewissen Reiz ausmacht. Ich bin mir allerdings sicher, dass Norman und André Richtung Ratingen jetzt erst recht kräftig Gas geben werden. Das wird ein echter Show-down", meinte Claus Marek, Teammanager Zehnkampf im DLV.
Gewinner des Wochenendes war Pascal Behrenbruch. "Nach meiner Leisten-OP zu Beginn des Jahres habe ich nicht unbedingt damit gerechnet, hier einen so guten Wettkampf hinlegen zu können", meinte der Frankfurter, der am Ende 262 Punkte hinter dem siegreichen Kasachen Dimtri Karpow lag. U23-Vize-Europameister Behrenbruch sammelte schon am ersten Tag 33 Punkte mehr als ein Jahr zuvor an gleicher Stelle und ließ sich auch dank 47,29 Meter im Diskuswerfen und 66,44 Meter mit dem Speer nicht mehr aus der Erfolgsspur bringen, obwohl der Abstand auf Abele nach 4:45,49 Minuten über 1500 Meter stark zusammengeschmolzen war. Am Ende freute sich der 23-Jährige aber über eine Verbesserung seiner Bestleistung um drei Zähler. "Respekt, das war ein tolles Ding von Pascal, er hat sich kaum aus dem Rhythmus bringen lassen", so Marek.
Nach einer Zitterpartie im Speerwerfen manövrierte sich auch Arthur Abele in eine gute Ausgangsposition. Der letztjährige Ratingen-Sieger lieferte einen gleichmäßigen Wettkampf ab und lief am Ende in starken 4:15,77 Minuten die schnellste Zeit aller Teilnehmer. "Arthur hat mich dennoch Schweiß gekostet. Er wollte im Speerwerfen zuviel und konnte am Ende noch froh sein, dass der letzte Versuch gültig war", sagte Marek.
Jacob Minah, der die "interne" Wertung der deutschen Zehnkampf-Asse nach dem ersten Tag noch angeführt hatte, quälte sich nach einem im Stabhochsprung erlittenen Krampf noch zum 1500-m-Lauf, musste aber nach 800 Meter einsehen, dass der Kampf gegen die Schmerzen sinnlos war. Norman Müller hatte tags zuvor nach drei ungültigen Versuchen bereits die erste Chance auf die Olympia-Fahrkarte liegen lassen. "Trotz des `Salto nullo` habe ich gesehen, wozu ich in der Lage bin. Ich bin sehr optimistisch, dass ich mich in Ratingen noch für Olympia qualifizieren kann", meinte Müller, der am zweiten Tag noch zu drei weiteren Disziplinen antrat, nach 4,40 Meter im Stabhochsprung aber aufhörte.
Von Beginn an nicht rund lief es für André Niklaus. Nach für ihn enttäuschenden 50,16 Sekunden über 400 Meter fand sich der WM-Vierte zur "Halbzeit" auf Rang 16 wieder und wies bereits 243 Punkte Rückstand auf sein Durchgangsergebnis aus dem Vorjahr (8340) auf. "Er hatte einfach falsch gewachst. Solche Wettkämpfe gibt es, wo du merkst, du kommst einfach nicht in die richtige Erfolgsspur", so Marek. Zwar sprang André Niklaus im Stabhochsprung über 5,20 Meter, steckte aber nach 53,63 Meter im Speerwerfen auf. Neben dem Berliner, Norman Müller sowie Jacob Minah werden in Ratingen noch der Leverkusener Stefan Drews und der frühere Junioren-Weltmeister Dennis Leyckes versuchen, auf den Olympia-Zug aufzuspringen.














