Moritz Cleve: "Ich habe alle Jahresziele schon erreicht!"
23. Mai 2009
Neu-Achttausender Moritz Cleve spricht im Zehnkampf-TEAM.de-Interview über seinen 8004-Punkte-Zehnkampf und seine neuen Ziele in 2009.
Zehnkampf-TEAM: Für viele Insider kam dein Achttausender wie aus heiterem Himmel. Wie kam es zu dieser Leistungsexplosion?
Moritz Cleve: "Ich habe in acht Einzeldisziplinen neue Bestleistungen erzielt. Die größte Steigerung war um mehr als eine Sekunden über 400 m. Ich bin deshalb sehr selbstbewusst in jede Disziplin gegangen, da ich wusste, dass ich gut trainiert hatte. Die größte Überraschung für mich war das Diskusresultat im strömenden Regen, zumal ich angesichts der Bedingungen in normalen Turnschuhen geworfen habe. Das war dann so eine Art positiver ,Knackpunkt'. Als ich den Ring verließ, habe ich erstmals an 8000 Punkte gedacht. Allerdings musste ich im Stabhochsprung einen kleinen Dämpfer hinnehmen. Obwohl ich sehr schnell anlief, konnte ich meine Stäbe nicht so richtig biegen, bin nicht weit genug in die Anlage reingekommen und bin quasi dreimal auf die Latte gefallen. Das war natürlich im ersten Moment eine große Enttäuschung, aber ich wusste dennoch, dass das Gesamtergebnis noch eine dicke Bestleistung wird."
Jeder Zehnkämpfer geht mit seiner eigenen Art von Hochrechnung in den Wettkampf hinein. Welche Marschrichtung stand bei dir auf dem Plan?
"Meine eigene Auflistung war eher sehr bescheiden: 11,0 zum Auftakt, etwa sieben Meter weit, 14 Meter mit der Kugel, 1,88 Meter im Hochsprung und zum Abschluss des ersten Tages 49,2 über 400 Meter. Für den zweiten Tag standen 14,25 über 110 m Hürden, 40 Meter mit dem Diskus, 4,60 Meter im Stabhochsprung, 54 Meter mit dem Speer und 4:30 Minuten über 1500 m auf der ,Wunschliste'. Da kann man locker nachrechnen, dass damit am Ende keine 8000 rauskommen. Mein Coach in Kansas, Cliff Rovelto, schätzte mich leicht über 7800 ein."
Du hast offenbar in der Vorbereitung alles richtig gemacht?
"Nach den nationalen Hallenmeisterschaften haben wir sofort mit zehn Trainingseinheiten pro Woche – viermal Kraft und viermal ,normales' Training – weitergemacht. Wie es in den USA so üblich ist, fanden meine ersten Stadionwettkämpfe schon Anfang April statt. Ich habe insgesamt vier Wettkämpfe zur Vorbereitung gemacht, davon bin ich dreimal in der 4x400-m-Staffel mitgelaufen, zweimal als Startläufer. Der ganze Trainingsprozess war sehr gut auf meine körperlichen Fähigkeiten abgestimmt. Wenn man von kleinen alltäglichen Wehwehchen absieht, bin ich zudem eigentlich seit zwei Jahren verletzungsfrei."
Was darf man von einem Moritz Cleve nach diesem sensationellen Saisonauftakt noch erwarten?
"Eine Woche vor Ratingen finden die NCAA-Championships in Fayetteville/Arkansas statt. Das ist für die amerikanischen Unis der wichtigste Wettkampf des Jahres. Letztes Jahr habe ich dort beim Stabhochsprung einen sehr üblen Bänderriss erlitten und konnte meinen Wettkampf nicht beenden. In diesem Jahr bin ich auf Platz zwei in der Bestenliste gesetzt, hinter Ashton Eaton, der schon 8091 Punkte erreicht hat. Am 17. Juni fliege ich zurück nach Deutschland. Außerdem habe ich mich für die Universiade in Belgrad beworben und denke, dass ich mit dieser Punktzahl sehr gute Chancen habe, sofern nicht zwei Andere meine acht Bestleistungen ,kopieren'. Ob ich beim Thorpe Cup zur Verfügung stehe, werde ich nach meinem zweiten Zehnkampf sagen können. Ich will dort sehr gerne mitmachen, aber entscheidend ist, ob ich in diesem Jahr schon in der Lage bin, vier Zehnkämpfe im Vier-Wochen-Rhythmus zu absolvieren."
Wo siehst du noch Nachholbedarf?
"Ich habe sämtliche Leistungsziele, die ich am Jahresanfang aufgeschrieben hatte, schon erfüllt. Allerdings musste ich die Ziele für Hürden und Stabhoch nach den guten Ergebnissen zum Auftakt neu definieren. Ich möchte gerne noch 14,10 Sekunden über 110 Meter Hürden und 4,90 Meter mit dem Stab erreichen. Ansonsten will ich einfach nur gesund bleiben, denn das ist der Schlüssel zum Erfolg und zu 200 Punkten mehr im nächsten Jahr."














