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Meier: "Alle unter den besten Zehn und einer in Reichweite der Weltspitze wäre ein Traum!"

20. August 2008

Zehnkampf-TEAM-Präsident Paul Meier
Zehnkampf-TEAM-Präsident Paul Meier

Ein Interview mit Zehnkampf-TEAM-Präsident Paul Meier, 1992 Olympia-Sechster in Barcelona, über seine Erwartungen an den Olympischen Zehnkampf in Peking.

 

 

 

Welche Erinnerungen verbindet ein Paul Meier mit Olympia?
Paul Meier: "Mit damals gerade 21 Jahren kam schon die Teilnahme an den Olympischen Spielen für mich überraschend, aber die Führung nach dem ersten Tag war absolut unerwartet und eins der schönsten Erlebnisse meiner sportlichen Laufbahn. Zum Glück wusste ich um meine damaligen Schwächen am zweiten Tag, sodass ich am Ende mit Platz sechs überglücklich war."

Du hast die Faszination Olympia am eigenen Leib erfahren. Auf welche besondere Situation müssen sich die drei deutschen Zehnkämpfer André Niklaus, Arthur Abele und vor allen Dingen "Grünschnabel" Michael Schrader in Peking einstellen?
"André ist der mit Abstand erfahrenste Athlet in diesem Trio und wird für das Team in dieser Rolle wichtig sein. Aber auch für ihn ist Olympia neu. Die größte Herausforderung ist es, zwei sehr lange Tage hellwach zu sein und zehnmal sein Leistungsniveau abzurufen. Gerade bei Olympia scheitern immer wieder Konkurrenten an sich selbst, haben schwache Momente. Wenn es unseren Drei gelingt, gerade in solchen Momenten fit, wach und stark zu sein, machen sie alle drei einen tollen und erfolgreichen Wettkampf."

Wo könnten die Drei dann nach einem tollen und erfolgreichen Wettkampf stehen?
"André, Arthur und Michael haben alle das Niveau und die Form, um unter die ersten Zehn zu kommen. Wenn sie ihre hervorragenden Saisonleistungen bestätigen und eventuell übertreffen, wäre das ein schöner Erfolg. Alle unter den besten Zehn und einer in Reichweite der Weltspitze wäre ein Traum."

Das wäre sicherlich auch die Grundvoraussetzung, um das große Ziel des TEAMs, eine Medaille bei der Heim-WM in Berlin 2009, nicht aus den Augen zu verlieren - oder?

"Wir sind im Plan, was aber nichts daran ändert, dass noch viel Arbeit vor uns liegt, um unser Ziel 'WM-Medaille' zu erreichen. Die Breite im Top-Bereich ist hervorragend, wir haben um die zehn Athleten, die über 8000 Punkte machen können und fünf bis sechs im Bereich von 8200 bis 8400 Punkten. Das ist als Ausgangsposition für 2009 absolut ausreichend und fundiert. Jetzt müssen wir mit zwei bis drei Athleten im Winter die nächste Stufe erarbeiten, um für 2009 bei 8400 bis 8500 anzukommen."

Die deutschen Nachwuchs-Zehnkämpfer sind in den letzten Jahren mit Siegen bei U20-Europa- und -Weltmeisterschaften schon dort angekommen, wovon die Männer momentan nur träumen können. Was steht einer Fortsetzung der Erfolge im Seniorenbereich noch im Weg?
"Wir haben tolle Talente, die richtigen Heimtrainer und ein Top-Team von Nachwuchs-Bundestrainern. Der Übergang vom Junioren in den Aktivenbereich steht aber vor vielen Herausforderungen: Beruf, Ausbildung und Sport unter einen Hut zu bringen, gegen Top-Zehnkämpfer antreten und nicht mehr 'vorne weg zu laufen', Trainingsumfänge und -intensitäten steigern. Wir haben hier in einer sehr stark vom Ehrenamt geprägten Disziplin sicher noch keine Musterlösung und kein Patentrezept, aber das Zehnkampf-TEAM baut fleißig am Rahmen, der es Athleten und Trainern ermöglicht, auf Erfahrungen und Teamarbeit zurückzugreifen. Die Trainer, Physiotherapeuten, Mediziner, Betreuer und Athleten rücken zusammen, um miteinander und voneinander zu lernen und daraus Kapital zu schlagen. Damit bin ich zufrieden, aber sicher würden professionellere Rahmenbedingungen den Prozess beschleunigen. Wir müssen unseren jungen Athleten aber immer auch den Rücken stärken, damit sie den Übergang in den Aktivenbereich meistern können."

Mit der Ratinger Erklärung, in der sich unter anderem alle Starter verpflichteten, bei einem Dopingverstoß in diesem Jahr ihre Prämien in doppelter Höhe zurückzuzahlen, haben die deutschen Zehnkämpfer einen weiteren Schritt im Anti-Doping-Kampf vollzogen. Kommen solche Signale überhaupt in der Zehnkampf-Welt an?
"An die saubere Zehnkampf-Welt glaube ich leider nicht, so sehr ich mir wünsche, tolle Leistungen einfach nur genießen zu können. Die Unsicherheit und der Verdacht stecken uns allen mittlerweile zu tief in den Knochen und Köpfen. Die Ratinger Erklärung war und ist ein wichtiger Schritt. Schön wäre, wenn dies bei allen wichtigen Wettkämpfen Standard würde. Es muss aber sicher noch deutlich mehr passieren, damit wir alle Sport wieder unbefangen genießen können. Der Sport muss sauber werden wollen, darüber zu reden und zu klagen reicht mit Sicherheit nicht aus. Dazu müssen Kontrollen, der Nachweis von Dopingvergehen und gesetzliche Regelungen weltweit noch stärker standardisiert und umgesetzt werden. Aber die sicherste 'Dopingkontrolle' ist ein Athlet, der sagt und lebt: 'Ich will nicht dopen!'. Dazu gehört es, dass Trainer, Funktionäre und Verbände Wege aufzeigen, die den Athleten einen sauberen Weg in die Weltklasse ermöglichen, skizzieren und diesen dann begleiten. Ein Athlet, der an seine Chance glaubt, es sauber schaffen zu können, wird nicht dopen."