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Zehnkampf-TEAM

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TEAM-Arzt Dr. Pajonk im Interview

28. August 2007

Der ehemaligen 8000-Punkte-Zehnkämpfer und Olympiateilnehmer Dirk-Achim Pajonk, Arzt im Zehnkampf-TEAM, gibt Auskunft über Anti-Doping, die Arbeit des Medizinischen TEAMS und die Chancen der deutschen Zehnkämpfer in Osaka.

 

Frage: "Am Freitag beginnt bei der Leichtathletik-WM in Osaka der Zehnkampf. Wie sehr schmerzt es einen ehemals guten Zehnkämpfer, der nun in der Medizinischen Abteilung des Zehnkampf-TEAMs agiert, dass neben dem Radsport auch die Leichtathletik in Misskredit geraten ist?"

Pajonk: "Dass nach dem Tour-Skandal in der Öffentlichkeit auch den Leichtathleten gegenüber eine gewisse Skepsis besteht, kann ich nachvollziehen. Mich freut es, dass wir endlich eine breit angelegte Diskussion über den Anti-Doping-Kampf führen. Mich schmerzt dagegen, dass wir diese Diskussion schon vor über zehn Jahren hätten führen können. Das Zehnkampf-TEAM hat auf diese Missstände schon Anfang der 90-er Jahre hingewiesen und gehandelt. Wir waren die Anti-Doping-Vorreiter und haben das heute bestehende Kontrollsystem eingefordert und geprägt sowie damals noch nicht durchgeführte Trainingskontrollen durch unabhängige Institute selbst finanziert. Zudem waren wir die Ersten, die mit Mitteln des BMI 1997 Blutkontrollen auf Wachstumshormone durchgeführt haben. Damals hat sich allerdings in den Medien kaum jemand dafür interessiert. Da unsere eigenen finanziellen Mittel nicht mehr ausreichten und das BMI seine Förderung eingestellt hat, sind unsere Bemühungen leider ins Stocken geraten."

Frage: "So sehr Sie die neue Diskussion erfreut, der Skandal im Radsport hat auch das Zehnkampf-TEAM direkt betroffen, da Ärzte des TEAMs auch bei Rad-Sportlern tätig waren. Wie stellt sich die Situation aus Ihrer Sicht dar?"

Pajonk: "1990 begannen die sportärztlichen Untersuchungen an der Uniklinik in Freiburg, die seit Mitte der 90-er Jahre auch das einstige Team Telekom, heute Team T-Mobile betreute. Es gab Ärzte, die sowohl uns untersucht, als auch die Radfahrer betreut haben. Ich spreche aber bewusst von "untersuchen" und "betreuen", da es hier gravierende Unterschiede gibt. Im Radsport ist eine medizinische Abteilung permanent mit den Radfahrern in Kontakt, sie führt in regelmäßigen kurzen Abständen leistungsdiagnostische Untersuchungen durch, ist mit einem festen Team bei allen Wettkämpfen und berät sogar z.T. bei der Trainingsplanung. Ein Zehnkämpfer ist bei etwa drei Zehnkampf-Konkurrenzen pro Saison dagegen ein- bis zweimal im Jahr zur allgemeinen sportärztlichen Untersuchung in Freiburg gewesen. Bei den Wettkämpfen wird er durch unser medizinisches TEAM betreut, das insgesamt aus acht Ärzten und Physiotherapeuten aus ganz Deutschland besteht. Bei diesen Zehnkämpfen werden dann im Rotationsprinzip ein Arzt und zwei Physiotherapeuten eingesetzt. Diese sind übrigens alle ehrenamtlich tätig!"

Frage: "Nach den Skandalen im Radsport hat sich also für das TEAM nichts verändert?"

Pajonk: "Doch, und zwar vieles! Wir sind zwar unverschuldet ins Fahrwasser der Doping-Diskussionen geraten, haben aber schnell gehandelt: Wir haben uns von der Institution Uniklinik Freiburg getrennt und führen zukünftig die sportmedizinischen Untersuchungen in Düsseldorf durch. Hier habe ich ein Netzwerk von Top-Ärzten aus verschiedenen Fachrichtungen aufgebaut, die uns zur Seite stehen. Zudem haben wir uns von den im Radsport tätigen Ärzten getrennt und werden jetzt unser TEAM ergänzen, hoffentlich weiterhin mit Heinz Birnesser (Anm.: Leiter der Klinik für Sportorthopädie und Sporttraumatologie in Freiburg) und mir an der Spitze."

Frage: "Sie waren 1996 mit 8045 Punkten bei Olympia 1996 in Atlanta auf Rang 20. Damals erzielten bei ähnlich schwierigen klimatischen Bedingungen wie jetzt in Osaka unglaubliche 22 Athleten mehr als  8000 Punkte. Erwarten Sie Ähnliches für die anstehende WM, auch von unseren WM-Startern, und glauben Sie überhaupt daran, dass im Zehnkampf dopingfrei eine Medaille gewonnen werden kann?"

Pajonk: "Natürlich glaube ich daran! In Frank Busemann hatten wir in Atlanta das beste Beispiel: Silber mit 8706 Punkten. Eine Leistung, die hundertprozentig ohne Doping erbracht wurde. Wenn alle wichtigen Leistungsparameter zusammenkommen, ist das möglich: Talent, Training, Ernährung, Regeneration und Einstellung müssen einfach stimmen. Als Zehnkampf-TEAM versuchen wir, den Athleten gute Rahmenbedingungen zu schaffen und immer wieder beratend zur Seite zu stehen. Was das für das Medizinische Team bedeutet, kann ich an unseren Osaka-Starter verdeutlichen. Arthur Abele (Schulter) und Norman Müller (Knie) haben wir früh in der letzten Saison geraten, sich operieren zu lassen, um rechtzeitig wieder ihre Form für diese WM-Saison aufbauen zu können. Zusammen mit ihren Paten im Med-TEAM und den betreuenden Physiotherapeuten und Ärzten vor Ort konnten sie ihre Defizite ausgleichen, sich mit Bestleistung für die WM qualifizieren und sind jetzt in Top-Form. Kurzfristig ist uns das auch mit André Niklaus gelungen, der nach Adduktorenproblemen im Juni und Juli jetzt zur WM wieder fit ist. Ich traue derzeit jedem unserer Zehnkämpfer einen Platz unter den ersten Acht zu, sodass wir mit breiter Brust in diesen Zehnkampf gehen. Die Medaillen dagegen werden wohl eher Athleten wie Roman Sebrle, Bryan Clay und Andrej Krawtschenko untereinander ausmachen. In zwei Jahren, bei der Heim-WM in Berlin, werden wir allerdings in den Medaillenkampf eingreifen!"