Niklaus als Achter bester Deutscher, glänzendes Debüt von Schrader
22. August 2008

TEAM-Präsident Paul Meier sah das Abschneiden der deutschen Zehnkämpfer bei den Olympischen Spielen mit einem lachenden und einem weinenden Auge: "Wir haben in André und Michael zwei Athleten unter den besten Zehn in der Welt, wobei man vor allen Dingen auch die Leistung von Michael Schrader in seinem zweiten Jahr in der Männerklasse anerkennen muss. Und wenn Arthur durchgekommen wäre, hätten sich wohl alle drei unter den Top Ten wiedergefunden. Was uns alle ein wenig stört, ist der Abstand zu einer Medaille. Ich bin davon überzeugt, dass alle aus dieser Saison lernen werden, um bei der WM im nächsten Jahr in Berlin einen Schritt nach vorne zu machen", sagte der WM-Dritte von 1993.
Während der neue Olympiasieger Bryan Clay an der Spitze mit 8791 Punkten einsam seine Kreise zog, war André Niklaus zwar einerseits enttäuscht, dass er mit 8220 Zählern die angestrebte Bestleistung verpasst hatte, anderseits aber auch stolz: "Das Ganze war doch eine ziemliche Quälerei. Ich bin Achter in einem Wettkampf geworden, in dem viele ausgefallen sind. Das zeigt die spezielle Problematik des Zehnkampfs, denn man muss bei solchen Bedingungen erst einmal durchkommen. Die Saison hat mich insgesamt viel Kraft gekostet", sagte der WM-Fünfte des Vorjahres.
Locker drauf
"Nur happy" war dagegen sein TEAM-Kollege Michael Schrader, der seine olympische Feuertaufe mit 8194 Punkten glänzend bestand und nach dem Sieg im ersten von zwei abschließenden 1500-m-Läufen zurecht jubeln durfte. "Ich war eigentlich die ganze Zeit locker drauf und habe mich nicht großartig verrückt gemacht. Schade war nur, dass es im 400-m-Lauf nicht so gelaufen ist, wie ich mir das vorgestellt hatte. Ansonsten kann ich absolut zufrieden sein", sagte der Schützling von Trainer Torsten Voss.
Unter der "Regie" von Claus Marek, Teammanager Zehnkampf im DLV, und Wolfgang Beck, Coach von Arthur Abele, zeigte vor allen Dingen Michael Schrader einen ersten Tag ohne Schwächen und lag sieben Punkte über seinem Durchgangsresultat auf dem Weg zum "Hausrekord" von 8248 Punkten. 14,71 Sekunden über 110 Meter Hürden waren zwar nicht der erhoffte Traumstart in den zweiten Tag, doch solide 40,41 Meter mit der Diskusscheibe und 4,80 Meter mit dem Stab ließen den Sportsoldaten weiter von einer neuen Bestleistung träumen. Nach dem ersten Speerwurf seiner Karriere über die 60-m-Marke (60,27 Meter) schien weiter alles möglich, doch nach 4:26,77 Minuten fehlten dann 55 Zähler zur neuen Bestmarke – die gleiche Punktzahl wie in Peking hatte er übrigens beim ersten Achttausender seiner Karriere im Juni in Bernhausen erreicht.
Zitterpartie Stabhochsprung
André Niklaus fand sich nach dem kräftezehrenden und vom Regen am ersten Tag beeinflussten "Marathon-Wettkampf" so "lala". "Ich habe die angestrebte Bestleistung nicht geschafft, bin aber wieder unter den Besten der Welt. Ich werde bei der Analyse der Saison natürlich genau darauf schauen, was ich richtig und was ich falsch gemacht habe, denn im nächsten Jahr steht die WM in Berlin an. Und in meiner Heimatstadt will ich es besser machen. Ich freue mich schon seit Jahren darauf und habe bereits überlegt, ob ich mit der U-Bahn hinfahre", war die erste Enttäuschung dank eines kleinen Scherzes dann doch zunächst überwunden.
Der Hallen-Weltmeister von 2006 kam auch am zweiten Tag in 14,37 Sekunden durchaus gut aus den Blöcken, sprach trotz akzeptabler 45,39 Meter im Diskuswerfen aber von einer "Zitterpartie" und war selbst mit den 5,20 Meter im Stabhochsprung nicht zufrieden, obwohl er der beste Stabhochspringer im Zehnkampf-Lager war. "Auch im Speewerfen war das nicht das Wahre und über 1500 Meter habe ich die ersten beiden Runden verschlafen", so Niklaus im ZDF-Interview. Dennoch führten die 60,21 Meter und 4:32,90 Minuten dazu, dass der Schützling von Coach Rainer Pottel nach Platz 16 am Vortag den Sprung unter die besten Zehn schaffte. "Ich bin mal wieder bester Deutscher und habe gezeigt, dass ich kämpfen kann", meinte Niklaus.
Brechstange rausgeholt
Selbstkritisch zeigte sich unterdessen Wolfgang Beck nach dem frühen Aus für Arthur Abele. Der bislang beste deutsche Zehnkämpfer in diesem Jahr hatte seine Hoffnungen auf eine Top-Platzierung bereits nach einem verpatzten Weitsprung-Auftritt mit nur einem gültigen Versuch auf 6,47 Meter aufgeben müssen, sprang zudem lediglich 1,90 Meter hoch und musste noch vor dem 400-m-Lauf wegen eines beim Aufwärmen erlittenen Muskelfaserrisses aufgeben. "Arthur war natürlich fix und fertig. Er wollte hier eigentlich einem Millionenpublikum zeigen, was er drauf hat. Aber leider hat er schon beim Weitsprung die Brechstange rausgeholt, obwohl die Vorgabe war, den ersten Versuch erst einmal ohne Risiko anzugehen", so Beck, der bereits den Auftakt über 100 Meter trotz "normaler" 10,90 Sekunden skeptisch verfolgt hatte: "Er ist nicht in den Rhythmus gekommen, den wir uns vorgestellt haben. Es gibt nichts zu entschuldigen, denn egal wie die Bedingungen sind: Beim Saisonhöhepunkt muss alles auf den Punkt gebracht werden."














