Die Favoriten für Ratingen (1): Norman Müller
16. Juni 2009

2008 gewann er die Einzelwertung des Thorpe Cups, jetzt will er auch in Ratingen angreifen: Norman Müller (Foto: Moritz Cleve)
Mit Lockerheit zum nächsten Coup
Er gilt als eher ruhiger Vertreter der Zunft, genießt so oft wie möglich die gute Küche seiner Freundin und kann sich durchaus vorstellen in naher Zukunft in sozialen Projekten mitzuarbeiten. Im Moment aber „lebt“ Norman Müller den Zehnkampf. „Das Training und die große Herausforderung WM bestimmen natürlich meinen Tagesablauf. Ich kann mich nur bei meinem Arbeitgeber, der Bundespolizei in Cottbus bedanken, dass sie mir den Rücken frei hält, damit ich meine großen sportlichen Ziele erreichen kann“, sagt der gebürtige Eislebener.
Neben der beruflichen Absicherung findet er den großen Rückhalt bei Familie und Freunden. „Auf meine Familie und meine Freundin würde ich nie verzichten. Sie geben mir genau das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, was man als Leistungssportler angesichts der vielen Entbehrungen braucht, um erfolgreich sein zu können.“
So lässt er sich gerne bei Scampi mit Reis oder Nudeln verwöhnen, hört gerne R&B oder HipHop und singt dabei oft auch einmal lauthals mit. „Meine Freunde haben mir schon des Öfteren gesagt, ich habe den Beruf verfehlt und sollte es einmal als Sänger probieren.“ Seinen Job als Zehnkämpfer macht er im Moment allerdings sehr gut. „Götzis war für mich eher eine Art Standortbestimmung und im Prinzip ein „Arbeitszehnkampf“, bei dem eine gewisse Lockerheit fehlte. Hier war schon vieles gut, aber auch mit dem Guten war ich noch nicht ganz zufrieden, weil ich weiß, dass ich es noch besser kann, beispielsweise beim Weitsprung, dem Diskuswerfen und dem 400-m-Lauf“, sagt der Dritte der Junioren-WM 2004 und gibt sich vor Ratingen entsprechend selbstbewusst. „Natürlich ist nach der Absage von Andre und Arthur eine gewisse Last von meinen Schultern gefallen. Dennoch will ich in Ratingen voll angreifen. Ein Meeting vor deutschem Publikum ist allein Ansporn genug. Und als Erster der WM-Ausscheidung ist man ja direkt für die WM gesetzt. Ich habe mich nach Götzis erstaunlich schnell regeneriert und bin auf einem guten Weg“, sagt der 23 Jahre alte amtierende deutsche Meister, der mit seinen in Götzis erreichten 8272 Punkten nicht weit von seiner persönlichen Zielvorgabe von 8300 bis 8400 Punkten entfernt ist.
Um erfolgreich zu sein, müssen allerdings einige „Faktoren“ in seinem Umfeld einfach stimmen. „Es gibt immer noch bestimmte Glücks-Unterhosen oder Glücks-Strümpfe, die ich mitführe. Außerdem ist es ein Ritual, meine Wettkampfbekleidung vor dem Start immer nach dem gleichen Muster über den Stuhl zu legen“, so Müller und auch der Schlaf spielte ansatzweise eine Rolle: „Mindestens einmal in der Woche muss ich richtig lange ausschlafen, sonst werde ich leicht stinkig.“ Allzu hektisch sollte es im Hause Müller sowieso nicht werden, denn dann besteht durchaus die Gefahr, dass der Schützling von Trainer Wolfgang Kühne in seiner Sammlung von „etwa 60 Privat- und 40 Sportschuhen“ beim Material für einen Zehnkampf einmal daneben greift. „Das ist halt so ein Tick von mir“, sagt jener Mann, der trotz einiger Rückschläge, beispielsweise seinen langwierigen Knieproblemen, schon „viele schöne Stunden im Sport“ erlebt hat. Ungewissheit, was das Leben nach dem Sport bringt? Nein. „Ich habe durch den Sport so viele Menschen kennen gelernt und Kontakte knüpfen können, dass ich mir neben meinem Beruf sehr viele neue Betätigungsfelder, beispielsweise auch in der Politik, vorstellen kann. Ich kann mir beispielsweise sehr gut vorstellen, in Projekten mitzuarbeiten, wo es um die Integration ausländischer Kinder geht.“














