Way to Beijing: André Niklaus
19. August 2008

„Gold“ hatte André Niklaus schon sicher, bevor es in Peking überhaupt losging. Beim „Tigerentenklub“ in der ARD überreichten ihm die Moderatoren neben einer schwarz-gelb gestreiften Tigerente eine goldene Plakette als Anreiz für seinen Auftritt im „Vogelnest“. Verschmitzt schaute sich der Berliner, der bei der beliebten Kindersendung als zeitweiliger Assistent eine sehr gute Figur abgab, die Medaille an und meinte: „Die bei Olympia wäre nicht schlecht.“
Träumen darf erlaubt sein, zumal der Hallen-Weltmeister von 2006 in den letzten Jahren als WM-Vierter 2005 und WM-Fünfter 2007 schon des öfteren Tuchfühlung zur absoluten Weltspitze hatte. „André hat es bislang immer geschafft, auf die Minute topfit zu sein und bei den internationalen Wettkämpfen eine Bestleistung abzuliefern. Davon gehe ich auch in Peking aus. Er besitzt aufgrund seiner Erfahrung auch das Feingefühl, alles auf den Punkt zu bringen. Vorausgesetzt, er bleibt gesund, käme eine Punktzahl mit einer Vier an zweiter Stelle hinter der Acht deshalb nicht überraschend. Was das am Ende für eine Platzierung bedeutet, kann man natürlich nicht absehen“, sagt sein Trainer Rainer Pottel, der in der Nacht zum Donnerstag als „Frühaufsteher“ in Berlin gerne erleben möchte, dass sein Schützling gleich beim 100-m-Lauf hellwach ist.
„Es ist sicher eine ungewohnte Situation für uns beide, dass wir erstmals bei einem internationalen Saisonhöhepunkt nicht zusammen vor Ort sind. Aber ich wäre kein guter Coach, wenn ich es im Vorfeld nicht geschafft hätte, André so einzustellen, dass er in Peking allein zurechtkommt. Außerdem ist er ein gestandener Athlet und hat bei Olympia zudem Rückhalt durch Claus Marek und Wolfgang Beck. Und in seiner letzten E-Mail hat er mir noch geschrieben, dass er sich im Team mit Arthur Abele und Michael Schrader sehr wohl fühlt“, so Pottel, dessen Bestleistung von 8334 Zählern vor 27 Jahren beim Europacupsieg in Birmingham sein Schützling mit 8371 Punkten als Fünfter der WM in Osaka 2007 übertroffen hatte.
André Niklaus hatte spätestens nach der DLV-Gala in Wattenscheid am 1. August die Gewissheit, dass die Tür zu einer erfolgreichen Olympia-Mission offen steht. „Das Gute an diesem Wettkampf war neben den zufrieden stellenden Resultaten, dass ich noch einmal die Hebel überall dort ansetzten konnte, wo es noch ein wenig haperte.“ Erfreulich verliefen auch die letzten Trainingseinheiten im Trainingslager auf Hokkaido. „Wenn er den Eindruck, den er hier gemacht hat, in Peking bestätigt, kann man ihm Einiges zutrauen“, sagte Claus Marek, Teammanager Zehnkampf im DLV.
„Knackpunkte“ bei Olympia sind für Pottel die Sprungdisziplinen am ersten Tag. „Wir haben im Training gerade im Weitsprung sehr gut gearbeitet, sodass eine Weite im Bereich von 7,50 Meter bei normalem Verlauf eigentlich mal wieder fällig ist. Stabilisiert er sich zusätzlich im Hochsprung im Bereich um 2,05 Meter, dürfte er die Grundlage für ein gutes Resultat geschaffen haben. Wenn am zweiten Tag dann noch der Stabhochsprung mit einer Höhe jenseits der fünf Meter steht, kann so viel nicht mehr schief gehen, zumal er im Speerwerfen und im Hürdenlauf doch sehr stabil geworden ist“, sagt jener Mann, der neben dem Europacup-Sieg 1974, 1978 und 1981 DDR-Meister im Zehnkampf war, ehe er vom späteren Weltmeister Torsten Voss abgelöst wurde, der bekanntermaßen Michael Schrader unter seinen Fittichen hat.
Egal, was Olympia bringen wird: Im nächsten Jahr steht für André Niklaus ein ganz besonderes Highlight an. „Die WM in Berlin ist für André natürlich eine ganz besondere Herausforderung. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass er bis dahin auf einem noch höheren Niveau agieren wird. Immer vorausgesetzt, die Gesundheit spielt mit, glaube ich daran, dass sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist. Es sind mehrere kleine Schritte, die am Ende dazu führen, noch einmal deutlich mehr Punkte ,drauf zu packen’.“, sagt Pottel,. Auch sein Athlet hat seine Ansprüche naturgemäß immer weiter nach oben geschraubt: „Nach seinem Hallentitel in Moskau hat er gesehen, dass er mit den Top-Mehrkämpfer nicht nur mithalten, sondern sie auch schlagen kann. Für ihn sollen Olympia in Peking und die WM in seiner Heimatstadt ,seine’ Zehnkämpfe werden.“














