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High noon in Ratingen

19. Juni 2009

High noon in Ratingen - das Feld beim WM-Qualifikations-Wettkampf in Ratingen ist durch drei prominente Ausfälle ein wenig dezimiert, doch angesichts zahlreicher Duelle auf Weltklasse-Niveau glaubt nicht nur Mitfavorit Norman Müller daran, "dass die Bahn und die Wurfringe brennen werden."

Während der direkt gesetzte deutsche WM-Teilnehmer wahrschenlich im Zweikampf zwischen dem amtierenden deutschen Meister aus Halle und dem Frankfurter Pascal Behrenbruch gesucht wird, kommt es bei den U23-Junioren zum Direktvergleich zwischen U20-Weltmeister Jan Felix Knobel und U20-Europameister Matthias Prey. Und in der Jahrgangsklasse U20 laufen die beiden momentan besten Athleten im A-Jugendbereich, Kai Kazmirek und Maximilian Gilde auf. Nicht rechtzeitig fit wurde dagegen Florian Katzschmann, 2008 bester deutscher B-Jugendlicher. Nach Ratingen wird fest stehen, wer den Deutschen Leichtathletik-Verband bei der U23-EM in Kaunas/Litauen (16. bis 19.07.) und der U20-EM im serbischen Novi Sad (23. bis 26.07) vertritt.

"Sicher hätten wir den deutschen Fans gerne alle Top-Athleten präsentiert. Aber diejenigen, die hier antreten werden, haben die volle Aufmerksamkeit verdient. Wann hat es das denn schon einmal gegeben, dass drei deutsche Zehnkämpfer aus der erweiterten Weltklasse fehlen und wir immer noch Zehnkampf auf international hohem Niveau präsentieren können", sagt Claus Marek, Teammanager Zehnkampf im Deutschen Leichtathletik-Verband und hat dabei natürlich auch besonders zwei ausländische Gäste auf der Rechnung. Unterstützt von einer knapp 20-köpfigen Fangemeinde reist in Mikk Pahapill aus Estland der amtierende Hallen-Europameister im Siebenkampf an und der Kubaner Yordani Garcia (8496 Punkte) "vertritt" nach viel Wirbel um seine Ausreise den fehlenden Weltranglisten-Ersten Michael Schrader als Nummer eins in der diesjährigen Bestenliste. "Die Kubaner sollten erst kein Visum bekommen. Am Ende hat sich sogar das Auswärtige Amt eingeschaltet, sodass Garcia nun doch kommen wird und am Freitagabend um 22.15 Uhr landet. Um den Jetlag muss er sich dann keine Sorgen machen. Den bekommt er erst am Montag", so Marek.

Internationaler Anstrich auf hohem Niveau ist also gewahrt, ein Selbstläufer aus deutscher Sicht somit ausgeschlossen. "Ratingen ist für mich und viele andere auch ein absolutes Muss. Da geht es nicht darum zu taktieren. Wir haben die Chance, uns vor einem deutschen Publikum zu präsentieren und deshalb gehe ich hier voll auf Angriff, zumal der Sieger von Ratingen direkt für die WM in Berlin qualifiziert ist", sagt Norman Müller. Und auch Pascal Behrenbruch, der in Götzis mit neuer Bestleistung von 8374 Zählern Rang drei erobert hatte, wird kaum zurückstecken. "Berlin wird sicher der bislang wichtigste Wettkampf in meiner Karriere. Aber auf dem Weg dahin hätte ich sicherlich nichts dagegen einzuwenden, in Ratingen nicht nur bester Deutscher zu werden, sondern auch die Gesamtwertung zu gewinnen."

Wie stark auch die Felder im Nachwuchsbereich besetzt sind, verdeutlicht ein Blick in die teilweise noch junge Erfolgsgeschichte einiger Athleten. So werden in der Konkurrenz der U23-Junioren neben Knobel und Prey noch Rico Freimuth, 3. der U20-EM, Thorsten Margis, Vierter der U20-WM 2008 sowie der direkt dahinter platzierte Russe Daniel Wassiljew ihre Visitenkarte abgeben. Dazu gesellt sich unter anderem der junge Kubaner Diaz Yunior, der im letzten Jahr bereits 8057 Punkte sammeln konnte und zeitgleich zu Götzis in Havanna auf 7920 Zähler kam. "Wir wollen wie immer in Ratingen ein großes Fest feiern", so Marek.