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Cleve: " Ich bin nicht so der Nesthocker-Typ!"

17. August 2009

Konnte sich einen Start in Berlin nicht vorstellen: Moritz Cleve (Foto: Kenny Beele)
Konnte sich einen Start in Berlin nicht vorstellen: Moritz Cleve (Foto: Kenny Beele)

„Er hat sich das Glück erarbeitet und diese Chance hier in Berlin verdient. Die letzten Trainingseinheiten haben gezeigt, dass Moritz gut drauf ist. Ich freue mich für ihn“, sagt Claus Marek, Teamleiter Zehnkampf im DLV, über jenen Mann, der in diesem Jahr wie „Phönix aus der Asche“ den ersten Achttausender seiner Karriere bestieg, dabei aber gar nicht bemerkt hatte, dass er gleichzeitig die WM-Norm geknackt hatte.

Als Wattenscheider Wahl-Amerikaner aus Oberbayern will Zehnkämpfer Moritz Cleve bei der Leichtathletik-WM in Berlin schnell heimisch werden. „Ich bin nicht so der Nesthocker-Typ“, erzählt der 22-Jährige, der in Manhattan/Kansas studiert, in einem Gespräch mit der dpa. „Die Leute werden alle hinter mir stehen. Also wieso sollte ich mich nicht wohl fühlen?“ Doch noch vor knapp einem halben Jahr hatte Cleve es nicht zu träumen gewagt, dass ihn seine halbe Weltreise bis zur Heim-WM führt: „Ich konnte mir einen Start in Berlin gar nicht vorstellen. Auch als ich 8004 Punkte erzielt hatte, war mir nicht mal bewusst, dass das die Norm ist."

Mit dem Sieg bei den „Big 12 Championships“ im texanischen Lubbock hatte er im Mai seine Bestmarke um mehr als 600 Zähler gesteigert und stieg als 63. deutscher Zehnkämpfer in den „Club der 8000er“ auf. Eine bemerkenswerte Randnotiz, die sich durch die Ausfälle von Michael Schrader, Arthur Abele und André Niklaus zur großen Geschichte  entwickelte. „Er ist plötzlich wie durch ein kleines Wunder in die Mannschaft gerückt. Das sollte er auch so genießen“, sagt Claus Marek, der Cleve als «locker und bescheiden» charakterisiert.

Auf  Cleves Internetseite zeigt sich der ruhige Athlet als halbe Wildkatze – was dem Maskottchen der Kansas State University geschuldet ist. Dort studiert Cleve seit 2007 mit einem Stipendium Journalismus sowie Massenkommunikation und im nächsten Semester Öffentlichkeitsarbeit. In Neuburg an der Donau aufgewachsen, ging er mit 16 Jahren das Sportinternat in Bochum-Wattenscheid und startet heute noch für den TV Wattenscheid 01. „Ich bin früh flügge geworden. Ich musste selber meine Wäsche waschen, kochen und einkaufen gehen“, sagt Cleve.

Die Kleinstadt Manhattan, «Litte Apple» genannt, hat wenig mit dem gleichnamigen New Yorker Stadtteil gemeinsam. „Es gibt rund 50 000 Einwohner, davon knapp die Hälfte Studenten. Ich bin wohl der einzige 8000-Punkte-Zehnkämpfer, der mit dem Rad zur Uni fährt“, berichtet Cleve lachend. Der Friseur aus dem Barbershop erkundigt sich nach seinen Ergebnissen, doch Zehnkämpfer genießen auf dem Campus keinen Sonderstatus. „Einige wissen, dass wir etwas ernsthafter Sport betreiben. Aber nur wer Basketball oder Football spielt, dem werden auch mal die Hausaufgaben gemacht“, erzählt er.

Fünf bis sechs Stunden am Tag ist der gebürtige Augsburger mit dem Training beschäftigt, die gleiche Zeit investiert er in das Studium. Doch bei Coach Cliff Rovelto und Assistent Tom Pappas, Weltmeister von 2003 und jüngst Einzelsieger beim Thorpe-Cup, hat er nach Meinung von Marek ein „tolles Umfeld“ gefunden: „Er ist der Erste von vielen Jungs, die drüben studiert haben, der durch die Knochenmühle mit der Riesen-Belastung durchgekommen ist.“ Cleve, der dieses Jahr von der Universität zweimal auf Doping getestet wurde, bereitete sich wie die meisten anderen DLV-Starter auch noch einmal intensiv in Kienbaum fort Bei aller Freude bremst Marek die Erwartungen an einen weiteren Leistungssprung: „Wir dürfen keine Platzierung unter den ersten Acht erwarten, das wäre ein Wunder.“

Erstellt mit Inhalten einer dpa-Meldung